Notizen: 5. Dreharbeiten: Klinik
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Die Dreharbeiten im Universitätsklinikum begannen damit, dass, während wir unten im Foyer warteten, ein Filmteam vom WDR eintraf, das ebenfalls für Dreharbeiten (scheinbar für den "Tatort") angemeldet war und etwa das gleiche Equipment benutzte wie wir - allerdings sehr viel teurer. Wir hatten eine Sony DV-Kamera mit zwei Akkus, während der Kameramann vom WDR mit einer großen Digibeta-Cam und einem Gürtel voller Akkus ausgestattet war. Unser Sachtler-Stativ war sehr nett, doch die Jungs hatten gleich zwei davon. Ein Überfall schien uns allerdings an diesem belebten Ort für zu gefährlich - wir liessen sie ziehen.
Unser Dreh begann im Keller der Uniklinik, der für Paul den Übergang zwischen alter und neuer Welt darstellt, nachdem er unmittelbar vorher eine schwere Stahltür (keine reale Tür, sondern ein im computer entstandenes 3D-Objekt) überwunden hat. Den Zugangscode für die Tür hatte Paul anfangs von dem Informaten in den Slums erhalten, an den er durch den Koch verwiesen wurde.

Die neue Welt, die das Medikament besitzt, zeigt sich optisch sehr unterschiedlich zu der Welt, aus der Paul kommt: Helles Licht steht im Kontrast zur Dunkelheit in den Slums, Neonröhren statt brennender Mülltonnen, funkelndes Metall anstelle von rostigem Eisen, Krankenhausatmosphäre statt belebter Markthalle. Paul ist sich bewußt, dass er sich nun im Bereich der Stadt befindet, und agiert sehr vorsichtig. Schließlich handelt es sich bei dem Krankenhaus um eine stark bewachte Einrichtung. Diesen Aspekt bemerkten auch wir, als plötzlich beim Dreh zwei Wachmänner aus dem Aufzug kamen, uns skeptisch anblickten und nach einer Drehgenehmigung fragten. Scheinbar hatte man sie nicht über die Dreharbeiten informiert, und auch unsere Aussage, dass alles seine Ordnung habe und mit dem Leiter des Klinikums abgesprochen sei, stimmte sie nicht fröhlich. Eine schriftliche Genehmigung hatten wir leider nicht vorliegen, doch die Dame am Empfang wußte bescheid und beruhigte wenig später das Wachpersonal. Somit durfte der Leiter des Klinikums in dieser Nacht doch noch durchschlafen.
Die Dreharbeiten gingen an diesem Tag bis morgens um 4 Uhr, und da sich um diese Zeit höchstens ein paar Notärzte im Krankenhaus befinden, wir jedoch zwei Exemplare von Ärzten vor der Kamera als Statisten benötigten, übernahmen diese Rolle spontan Sebastian und Dirk. Wer die beiden persönlich kennt, nimmt ihnen den Titel ganz bestimmt nicht ab, wenn er sie in der Filmszene durch den Flur laufen sieht. Doch sie verweisen in diesem Fall immer darauf, Mediziner im Praktikum gewesen zu sein.
Der zweite Tag der Dreharbeiten fand im Medikamentenraum statt, in dem Paul auf der Suche nach dem Heilmittel für Marie auf die Krankenschwester Nicola trifft. Der Raum war eigentlich ein Röntgenraum, in dem Patienten, denen Kontrastmittel teilweise direkt ins Herz gespritzt werden, auf Herzfehler untersucht wurden. Wir wählten ihn für die Aufnahmen deshalb, weil er unserer Vorstellung von einem hochtechnischen Medizinraum sehr nahe kam.

Paul betritt den Raum, schaut sich um und geht zielstrebig auf Schränke zu, in denen er das Medikament vermutet. Doch einer von ihnen ist abgeschlossen, und Paul versucht vergeblich, ihn zu öffnen. In dem Moment betritt Schwester Nicola das Zimmer. Sie bemerkt ihn jedoch nicht, da er sich rechtzeitig verstecken kann. Die Schwester hat ebenfalls die Absicht, das Medikament aus dem Schrank zu nehmen, und als sie gerade dabei ist, mehrere der leuchtenden Heilmittel herauszunehmen, tritt Paul aus seinem Versteck hinter dem Röntgenapparat hervor. Beide stehen sich gegenüber. Sie schauen sich an. Paul nähert sich langsam der Schwester, von der man vermutet, dass sie jeden Moment laus losschreit und Paul vom Sicherheitspersonal der Klinik gefasst wird. Doch die Schwester reagiert anders: Sie schaut Paul unerschrocken, beinahe schon aufreizend, an und verläßt langsam den Medikamentenraum, ohne die Schranktür zu schliessen. Es wird deutlich, dass sie Paul in seinem Vorhaben, das Medikament zu entwenden, indirekt unterstützt. Paul entnimmt ein Röhrchen aus dem Schrank und verläßt fluchtartig den Raum.
Als Medikament benutzten wir kleine Leuchtstäbchen, die nach einem Knicken für etwa 10 Minuten fluoreszent leuchten, und die wir in Reagenzgläser steckten. Das Leuchten soll im Film verdeutlichen, wie wichtig und ungewöhnlich das Medikament ist, und dass es sich um ein künstlich hergestelltes Mittel handelt. Die Leuchtstäbchen und Reagenzgläser bestellten wir in großen Mengen im Internet. Etwas Aufregung entstand am Tag nach den Dreharbeiten, als die Stationsschwester des Krankenhauses anrief und aufgeregt erklärte, dass wichtige Betäubungsmittel aus dem Schrank verschwunden seien, den wir für die Dreharbeiten mit unserem Medikament ausgeräumt hatten. Niemand von uns hatte sie genommen, und auch von unseren Schauspielern hätten wir das nicht erwartet, also wie konnte so etwas passieren? Einen weiteren Tag später stellte sich heraus, dass es lediglich eine Kollegin der Schwester war, die Medikamente aus dem Schrank entnommen hatte, ohne der Stationsleitung dieses mitzuteilen. Die ganze Aufregung war also umsonst.
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