PLACEBO

Notizen: 6. Dreharbeiten: Kirche


zurück

Eine der Endszenen im Film besteht darin, dass Marie in den Armen von Paul stirbt. Für diese Szene waren wir auf der Suche nach einer aussagekräftigen Location und beschlossen, sie in einer Kirche zu drehen. Die Kirche deshalb, weil Paul und Marie in ihrer aussichtslosen Situation an einen Ort flüchten, der ihnen einen letzten Rest von Hoffnung gibt. Denn es scheint klar, dass Marie ohne das Gegenmittel ihre Krankheit nicht überlebt.

Die Kirche sollte natürlich optisch sehr ansprechend sein und auf den ersten Blick den Eindruck eines Gotteshauses vermitteln. Weiterhin sollte sie das Bild einer Kirche in den Slums bieten und dementsprechend so aussehen, als wäre sie über Jahre hinweg nicht in Stand gehalten worden. Am geeignetsten für diesen Zweck schien uns deshalb eine Kirche in Münster, die gerade renoviert wurde. Leider liessen sich die Sicherheitsbestimmungen der Bauarbeiten nicht mit unseren Dreharbeiten vereinbaren, so dass wir schließlich auf die St. Lambertus Kirche in Langenberg auswichen, die zwar nicht renoviert wurde, jedoch vom Baustil her gut in unser Bild passte und beim Dreh etwas hergerichtet wurde: Kirchenbänke wurden verschoben, ein Lagerplatz mit Decken für Paul und Marie an einer Säule vorbereitet und der Beichtstuhl daneben mit Malerfolie abgedeckt.

Anna Wylezik (Marie) wurde von der Maskenbildnerin Angelika Unkrüer vor Ort für die Sterbeszene vorbereitet. Sie bekam dunkle Augenringe, spröde Haut, getrocknete Blutkrusten (sogar in den Ohren) und sah danach so krank aus, als hätte sie die Szene bereits hinter sich. Christoph Römer (Paul) erhielt als Hilfsmittel zum Weinen ein paar Zwiebeln, die er sich aufschnitt und beinahe direkt in die Augen rieb, sowie eine aufgezogene Spritze voller Eiklar. Letzteres spritzte er sich in die Nase und zog damit lange Fäden beim Weinen. Nicht sehr angenehm, aber durchaus realistisch.

Ungünstigerweise lagen die Dreharbeiten zeitlich genau auf dem Wochenende, an dem auf dem Kirchplatz drumherum die alljährlichen Nikolaustage stattfanden. Somit hatten wir, bessergesagt die Schauspieler, damit zu kämpfen, das gegen Ende der Dreharbeiten und somit genau in der wichtigen Szene, als Marie in Pauls Armen stirbt, der Kinderchor von draußen lauthals Weihnachtslieder schmetterte. Der Gesang reichte dumpf bis ins Innere der Kirche, so dass Paul seine Freundin Marie zum Gesang von "Oh du fröhliche" aufgeben mußte. Wir mußten uns beherrschen, um vor Lachen nicht an der Kamera zu wackeln, und Christoph Römer (Paul) zeigte erneut, dass er in der Lage ist, seinen Beruf auch unter schwersten Bedingungen überzeugend auszuüben, als er bitterlich zum Kinderchor weinte.

zurück
Impressum und Datenschutz
NEWSLETTER BESTELLEN: