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Notizen: 2. Dreharbeiten: Hawerkamp


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Im Kontrast zur hellen und freundlichen Atmosphäre der Bootszene folgt der Teil des Films, in dem Paul in einer heruntergekommenen Fabrikhalle aufwacht, als man versucht, ihm seine Habseligkeiten zu entwenden. Diese Fabrikhalle markiert den armen Teil der Stadt, also die Slums, in denen sich die Menschen außerhalb der reichen Städte aufhalten und größtenteils von der Krankheit befallen sind, die auch Marie bedroht. Die Menschen wohnen und leben hier, und sie benutzen die ehemalige Fabrik als Markthalle und Treffpunkt, in dem sich das Leben in den Slums abspielt.

Für die Dreharbeiten wurde anfangs ein Objekt im Dahlweg in Münster gewählt, das aus einer einfachen Industriehalle bestand, dessen Zustand bereits als einsturzgefährdet eingestuft wurde. Die Stadt Münster als Eigentümer des Objekts verhinderte aus diesem Grund die Dreharbeiten, verwies aber als Alternative auf ein Objekt im Hawerkamp, dessen Eigentümer eine ansässige Betonfirma war, die uns auf Anfrage eine Drehgenehmigung ausstellte. Diese neue Fabrikhalle erwies sich als noch besser geeigent für den Dreh, da sie erheblich größer war als die Halle im Dahlweg und interessantere Möglichkeiten für Kameraeinstellungen und Handlungen bot. Es schlossen sich beispielsweise einige Nebenräume an, die für die Anfangsszene, in der Paul aufwacht, benutzt werden konnten. Durch die Haupthalle selbst verlief ein stillgelegtes Förderband, das sehr gut den Zustand einer ehemaligen Farbik verkörperte, ebenso wie diverse Schächte im Boden, in denen seinerzeit wohl Maschinen standen. Das Aussehen der Halle paßte sich sehr gut der Stimmung einer Markthalle in den Slums an, die wir erzeugen wollten: Hohe Decken, Säulen, zerbrochene Fenster mit Ventilatoren, Graffitis an den Wänden, herumliegender Abfall und ähnliche Dinge.

Das Fabrikgebäude am Hawerkamp sollte leider komplett abgerissen werden, und der Termin dafür wurde für den gleichen Zeitraum festgelegt wie unsere Dreharbeiten, so dass wir im Vorfeld immer damit rechnen mußten, vom Abrissbagger überholt (oder überrollt) zu werden und uns nach einer alternativen Location umschauen mußten. Erst einen Tag vor Drehbeginn erhielten wir grünes Licht und die endgültige Zusage vom Besitzer der Örtlichkeiten, dass der Abriss erst nach dem Dreh stattfinden sollte.

Da es sich beim Hawerkamp um einen sehr unsicheren Teil im Hafengebiet der Stadt Münster handelt, wurde vorsichtshalber die Polizei über die Dreharbeiten informiert. Ebenso die Feuerwehr, da für den Dreh einige offene Feuer initiiert wurden, z.b. in Form von brennenden Mülltonnen, um eine angemessene Atmosphäre im Elendsviertel zu schaffen. Zwei Feuerlöscher sorgten für die nötige Sicherheit, und die fast gänzlich zerstörten Fenster der Fabrikhalle verhinderten eine zu starke Rauchausbreitung. Da die Halle natürlich komplett vom Stromnetz abgetrennt war, wurde ein benzinbetriebener Generator benötigt, der die Scheinwerfer für die Beleuchtung und die Akkus für die Kameras versorgte.

Für die Dreharbeiten wurden zahlreiche Statisten benötigt und auch gefunden, deren Aufgabe darin bestand, die Fabrikhalle mit Leben zu füllen und als Markthalle umzufunkionieren. Vier Nebenrollen wurden ebenfalls besetzt: Eine Person (Thomas Kerkeling), die Paul auf dem Weg von dem Nebenraum, in dem er aufgewacht ist, zur Haupthalle bedrohlich anrempelt. Ein Koch (Kwasi Tawiah Addo), der an seinem Marktstand Lebensmittel verkauft und Paul an einen Informaten (Sam Hassannia) verweist. Jener Informant, der ihm Hinweise darüber erteilt, wie er einen geheimen Weg in die große Stadt findet, in der das Medikamt für seine Freundin Marie lagert sowie ein stiller Beobachter (Steffen Wachenfeld), der ein wenig entfernt am Feuer sitzt, Pauls Aktionen beobachtet und ihm später unbemerkt folgt, als Paul die Markthalle verläßt.

Für Catering während der Dreharbeiten hatten wir gesorgt. Für die etwa 25 Darsteller standen diverse Speisen und Getränke zu Verfügung. Zwar hatten wir einen Dosenöffner vergessen, was uns von einem gewissen Teil der vorhandenen Nahrung abhielt, jedoch wurde dieser Mißerfolg durch Sebastians selbstgemachtes Chili con Carne locker ausgeglichen, das wir im Topf auf einem der Feuer erwärmten.

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